Mahlers Gattin: Alma Mahler-Werfel
gwg | Januar 2010 | Kommentare 0
Alma Mahler-Werfel gehört zu den faszinierendsten, aber auch umstrittensten Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre Biografie liest sich wie das Who-is-who des geistigen Lebens zwischen Wiener Fin de siècle und den Jahren des Exils in den USA.
1879 in Wien als Tochter des Landschaftsmalers Emil Jacob Schindler und der Sängerin und Schauspielerin Anna von Bergen geboren, wurde sie nach Schindlers Tod Stieftochter von Carl Moll, einem der Mitbegründer der Wiener Sezession. Nach einem zwei Jahre dauernden schwärmerischen Verhältnis mit Gustav Klimt verliebte sie sich leidenschaftlich in Alexander von Zemlinski, bei dem sie Kompositionsunterricht nahm. 23jährig heiratete sie den knapp zwanzig Jahre älteren Gustav Mahler. Kurz vor Mahlers Tod unterhielt sie eine Affäre mit dem Architekten Walter Gropius, dem Begründer des Bauhauses, den sie nach Mahlers Tod und einem drei Jahre dauernden Liebesverhältnis mit Oskar Kokoschka heiratete. Ihren zweiten Ehemann betrog sie mit dem Schriftsteller Franz Werfel. Mit diesem lebte sie zehn Jahre in wilder Ehe, ehe sie ihn heiratete. Gemeinsam mit Werfel emigrierte sie 1938 in die U.S.A. Als „grande veuve“, wie Thomas Mann sie charakterisierte, widmete sie sich in den Jahren des Exils dem Nachlass Mahlers und verfasste ihre Autobiographie „Mein Leben“. 1964 starb sie 85jährig in New York.
In ihrer Villa in Wien und dem Sommerrefugium am Semmering unterhielt Alma Mahler-Werfel, deren Bedürfnis nach Geselligkeit legendär war, ebenso einen Salon, wie später in Kalifornien und New York. Zu ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zählten die Schriftsteller Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Gerhard Hauptmann, die Komponisten Hans Pfitzner, Alban Berg und Arnold Schönberg. Ernst Krenek und Elias Canetti waren von ihr angewidert, gegen Wassily Kandinski intrigierte sie, ebenso gegen Thomas Mann, der sie gleichwohl schätzte und dessen Familie bei ihr ein- und ausging. Der Biologe Paul Kammerer, der die Angewohnheit hatte, bei öffentlichen Auftritten seine Kröten zu küssen und der sich nach einem Skandal das Leben nahm, verliebte sich leidenschaftlich in sie, mit Friedrich Torberg führte sie in ihren letzten Lebensjahren eine ausführliche Korrespondenz.
Selten hat jemand solche gegensätzlichen Urteile erfahren wie Alma Mahler-Werfel. Sie selbst hat zahlreiche widersprüchliche Zeugnisse hinterlassen. Weitgehende Einigkeit herrscht nur, was ihre Erscheinung und Auftreten betreffen. Groß und gut aussehend, besaß sie eine geradezu magnetische Anziehungskraft, der sich nur wenige entziehen konnten.
Sehnte sich Alma Mahler-Werfel stets nach starken Männern, denen sie sich unterordnen konnte, geriet sie rasch in die Rolle der fürsorglichen Mutter, die ihre „Mannkinder“ pflegte und aufblühte, wenn diese auf ihre Hilfe angewiesen waren. Obwohl sie mit Juden verheiratet war und zahlreiche jüdische Bekannte hatte, sind von Alma Mahler-Werfel zahlreiche antisemitische Äußerungen überliefert. Im Grunde schüchtern und überdies stark schwerhörig, kaschierte sie ihre Hemmungen durch betont selbstbewusstes Auftreten. Ihre Neigung zur Depression verbarg sie hinter Geselligkeit, Zerstreuung und Alkohol. In der Beschreibung ihrer Persönlichkeit wechseln sich Leidenschaftlichkeit und Sinnlichkeit mit Begriffen von Kälte und Berechnung, und sie selbst hat wiederholt bekannt, ihr Inneres sei leer und nichts und niemand ginge sie wirklich etwas an.
Alma Mahler-Werfel war die Muße zahlreicher Künstler. Zog künstlerische Kreativität sie geradezu magisch an, so war es von ihrer Seite eine der herausragendsten Eigenschaften, zahlreiche Künstler zu Höchstleistungen anzuspornen. Und doch blieb immer ein Rest, der sie unerfüllt ließ. Alma Mahler-Werfel hatte in ihrer Jugend eine musikalische Ausbildung erfahren und zahlreiche, nur zum Teil erhaltenen Kompositionen geschaffen, ehe ihr Gustav Mahler vor ihrer Ehe zur Bedingung machte, die Musik ganz aufzugeben. Sie hat sich diesem Verbot gefügt, wenngleich sie zeitlebens die Legende vom Komponierverbot pflegte. Und doch schien niemand weniger geeignet, sich anderen aufzuopfern und vielleicht lagen hier die Gründe für jenes Scheinleben, das zu führen sie so häufig beklagte.
Quelle: www.austriatourism.com
Kategorien: Kultur
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