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Gustav Mahler -Sein Werk

| Januar 2010 | Kommentare 0

Gustav Mahler -Sein Werk

Gustav Mahlers Werk ist geprägt vom Gegensatz zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen irdisch-sinnlicher und geistig-übersinnlicher Welt.

Mit Stilbrüchen und ironischen Anspielungen schlug Gustav Mahler die Brücke vom 19. ins 20. Jahrhundert. Seine zehn Sinfonien und Liederzyklen markieren einen Wendepunkt der Musikgeschichte. Und das, obwohl sich Mahler nur zwei Monate im Jahr dem Komponieren widmete, in den Sommerferien. Dabei diente ihm vor allem die Natur als Inspirationsquelle. In Steinbach am Attersee zog sich Mahler während der Sommerfrische zum Komponieren zurück. Hier entstand in seinem berühmten Komponierhäuschen die 2. und 3. Sinfonie.

Den Großteil seiner Werke schuf Mahler allerdings in der „Villa Mahler“ in Maiernigg am Wörthersee in den Sommern 1900 – 1907. Dort schrieb er die 4., 5., 6., 7., und 8. Sinfonie und die „Kindertotenlieder“. Noch heute inspirieren Mahlers emotionale Klangwelten Filmkomponisten wie etwa Ennio Morricone und John Williams.

Gustav Mahler verstand sich als Mittler zwischen den Sphären. Sein Selbst-verständ¬nis kleidete er einmal in die Worte: „Man ist sozusagen selbst das Instrument, auf dem das Universum spielt.“ Dem entspricht sein Schwanken zwischen den Extremen des Ausdrucks, zwischen Bodenständigkeit und Transzendenz, Todesnähe und Euphorie, Tragik und Groteske. Dieses Nebeneinander der unterschiedlichsten musikalischen Idiome schließt den schlichten Volksliedton ebenso ein wie die strengste Polyphonie.

1. Symphonie

Ein Hauch von Melancholie und schmerzlicher Schönheit durchzieht Gustav Mahlers 1. Symphonie. Der ganze unverwechselbare Mahler’sche Tonfall ist bereits hier voll ausgebildet. Mahler war sich bewusst, mit seiner Musik Neuland zu beschreiten. Einem Jugendfreund schrieb er über seine 1. Symphonie: „Wahrscheinlich bist Du der einzige, dem darin an mir nichts neu sein wird; die anderen werden sich wohl über manches wundern!“ Die Uraufführung 1889, nach vierjähriger Arbeit an der Komposition, geriet dann auch zu einem Fiasko.

2. Symphonie

Der 2. Symphonie, komponiert während sechs Jahren, wobei der größte Teil während zweier Sommeraufenthalte 1893 und 1894 in Steinbach am Attersee entstand, fügte Gustav Mahler Sopran- und Altsolo und gemischten Chor bei und vertonte Worte von Klopstock, Verse aus des Knaben Wunderhorn sowie eigene Dichtungen. Mahler selbst berichtete, das sich der entscheidende Impuls, nach dem er so lange suchte, während der Trauerfeiern für den verstorbenen Dirigenten Bülow einstellte. „Die Stimmung, in der ich dasaß und des Heimgegangenen gedachte, war so recht im Geiste des Werkes, das ich damals mit mir herumtrug. – Da intonierte der Chor von der Orgel den Klopstock-Choral ‚Auferstehn!’ – Wie ein Blitz traf mich dies und alles stand ganz klar und deutlich vor meiner Seele. Auf diesen Blitz wartet der Schaffende, dies ist ‚die heilige Empfängnis’! Was ich damals erlebte, hatte ich nun in Tönen zu erschaffen.“
Die Uraufführung 1895, die Mahler aus eigenen Mitteln bestreiten musste, fiel bei der Kritik durch, hatte aber beim Publikum einen durchschlagenden Erfolg und begründete Mahlers Ruhm als Komponist.

3. Symphonie

Schon bei der ersten Annäherung überwältigt das Ausmaß von Mahlers 3. Symphonie, die 1892 begonnen und in ihren größten Teilen in den Sommern der Jahre 1895/96 in Steinbach am Attersee vollendet wurde. Die Aneinanderreihung disparater Stimmungen und verschiedener musikalischer Idiome gab zu den widersprüchlichsten Deutungen Anlass. Mahler selbst charakterisierte seine 3. Symphonie – und damit auch sein gesamtes symphonisches Schaffen – mit den Worten: „Symphonie heißt mir eben: mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen. Der immer neue und wechselnde Inhalt bestimmt seine Form von selbst.“

4. Symphonie

Nach den beiden vorangegangenen Symphonien überraschte – und überforderte – Gustav Mahler sein Publikum 1901 bei der Uraufführung seiner 4. Symphonie erneut. Das an verschiedenen Orten in Bad Aussee, Maiernigg und Wien komponierte Werk scheint in der Abkehr vom spätromantischen Pathos und der Hinwendung zu einer klassizistischen Formsprache – wenngleich Mahler’scher Prägung – einen Bruch zu den bisherigen Symphonien darzustellen. Die 4. Symphonie bildet demnach nicht nur den Abschluss der eng mit der Poesie der Wunderhorn-Lieder verknüpften Vorgängerwerke, sondern schließt als „Epilog im Himmel“ unmittelbar an die 3. Symphonie an. „Es ist die Heiterkeit einer höheren, uns fremden Welt darin“, die aber, wie Mahler gleichwohl hinzufügt, „für uns etwas Schauerlich-Grauenvolles hat.“

5. Symphonie

Ab 1901 hatte sich für Gustav Mahler ein fester Arbeitsrhythmus etabliert: Das Jahr über arbeitete er als Leiter der Wiener Hofoper, die Sommermonate widmete er seiner Kompositionstätigkeit. So entstand die 5. Symphonie 1901 und 1902 in Maiernigg am Wörthersee in dem kleinen Komponierhäuschen, das, abseits der Villa gelegen, ungestörte schöpferische Arbeit ermöglichte. Mit der 5. Symphonie schrieb Mahler erstmals reine Instrumentalmusik, ohne Bezugnahme auf einen vorgegebenen Gedichtzyklus. 1902 heiratete Mahler Alma Schindler und etwas von dem Glück der frühen Jahre spiegelt sich im Adagietto für Streicher und Harfe. Ein tiefer Riss scheint durch dieses Werk zu gehen. Schroff und scheinbar unvermittelt treffen darin die Gegensätze aufeinander. Die Arbeit an diesem Werk stellte an seinen Komponisten enorme Herausforderungen. Bis zu seinem Tod fügte er immer wieder neue Änderungen in der Partitur ein. Aber auch seinem Publikum hatte Mahler wieder einmal zuviel abverlangt, so dass er anlässlich einer Aufführung resigniert bemerkte: „Die Fünfte ist ein verfluchtes Werk. Niemand capiert sie.“

6. Symphonie

„Wie gepeitscht“ – „Wie wütend dreinfahren“ – „Wie ein Axthieb“ schrieb Gustav Mahler als Spielanleitungen in die Partitur seiner 6. Symphonie, die 1903 und 1904 in Maiernigg entstand. Es spricht vieles dafür, dass Mahler mit dieser Symphonie seine „klassische“ schreiben wollte, doch endet auch dieses Werk Mahlers, für den komponieren gleichbedeutend war mit schonungsloser Selbsterforschung, weit jenseits der Horizonte, die er sich an ihrem Beginn setzte. Von dieser Symphonie, die Zemlinsky Mahlers „Eigentliche“ nannte, äußerte Mahler, sie werde „Rätsel aufgeben, an die sich nur eine Generation heranwagen darf, die meine ersten fünf in sich aufgenommen und verdaut hat.“

7. Symphonie

Der Gedanke, dass die Musik dem Traum und dem Unbewussten verbunden und somit befähigt sei, Wahrheiten auszusprechen, die jenseits der Vernunft lagen, bestimmte die ganze Romantik. Aber zuweilen gemahnt die Musik von Mahlers 7. Symphonie, entstanden am Wörthersee in den Sommermonaten 1904/1905 an Goyas Radierung „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“. Aus tiefer Verzweiflung findet die Musik dennoch immer wieder zu Augenblicken verklärter Ruhe. Der Musiker, schrieb Mahler, gleiche einem Nachtwandler. „Er weiß nicht, welchen Weg (vielleicht an schwindelnden Abgründen vorbei) er schreitet, aber er geht dem fernen Lichte zu – ob dies das ewig strahlende Gestirn oder ein lockendes Irrlicht ist!“

8. Symphonie

1906 war Mahler in den Sommerferien nach Maiernigg am Wörthersee aufgebrochen, „mit dem festen Vorsatz, mich in diesen Ferien (…) recht auszufaulenzen und Kräfte zu sammeln. Beim Eintritt in das altgewohnte Arbeitszimmer packte mich der spiritus creator und schüttelte und peitschte mich acht Wochen lang, bis das Größte fertig war.“ Die Uraufführung der „Symphonie der Tausend“ war ein Ereignis wie kein anderes zuvor in der Geschichte der Aufführungen seiner Werke und brachte Mahler den ersten großen Erfolg nach der Aufführung der 2. Symphonie. Mahler selbst schrieb über die Komposition: „… es ist das Größte, was ich bis jetzt gemacht … Denken Sie sich, dass das Universum zu tönen und zu klingen beginnt. Es sind nicht mehr menschliche Stimmen, sondern Planeten und Sonnen, welche kreisen.“

Das Lied von der Erde

In einer Zeit schwerer persönlicher Krisen – 1907 starb Mahlers Tochter Anna, im selben Jahr wurde bei Mahler ein schwerer Herzfehler diagnostiziert – wollte Gustav Mahler das Schicksal selbst überlisten. Sowohl Beethoven als auch Schubert, Dvořák und Bruckner hatten jeweils nur neun Symphonien geschrieben, ehe sie starben und so begann Mahler, der stets dem Mystizismus und Wunderglauben anhing, statt mit der Arbeit einer 9. Symphonie mit der Vertonung von Nachdichtungen chinesischer Naturlyrik. Was so entstand, zählte Mahler „zum Persönlichsten“, das er „bis jetzt gemacht habe.“ Es sind Gesänge von einer verzweifelten Liebe zum Dasein, von existenzieller Einsamkeit, von Tod und Abschied nehmen, aber auch von der Gewissheit einer anderen Welt, die hinter der Sichtbaren zu ahnen ist.

9. und 10. Symphonie

Während Mahlers physische Kräfte allmählich nachließen, erreichte seine Kreativität einen letzten Höhepunkt. Die 9. Symphonie wurde als einziges symphonisches Werk dieser Größenordnung innerhalb eines Jahres – 1909 – vollendet. Das einleitende Andante ist das außergewöhnlichste Stück Musik, das Mahler je komponierte. Dem letzten erschöpften Zusammenbruch des Orchesters folgen in den Stimmen der Blechbläser und Pauken die Anfangsmotive des Satzes, unheilverkündende Zeichen des Todes.
Im Partitur-Entwurf finden sich zahlreiche Notizen, die erkennen lassen, dass Mahler mit diesem Werk Erinnerungen und Abschiedsgedanken verband. So sind im 1. Satz die Ausrufe notiert: „O Jugendzeit! Entschwundene! O Liebe! Verwehte!“ und „Leb’ wol! Leb’ wol!“ Die Uraufführung hat Mahler nicht mehr erlebt.

Von seiner 10. Symphonie konnte er nur noch die Gesamtkonzeption skizzieren, ehe ihn der Tod ereilte.

Quelle: www.austriatourism.com

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Kategorien: Kultur

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