Arne Quinze – Einzigartige Multimedia-Installationen für Swarovski Wien

| Dezember 2009 | Kommentare 0

Arne Quinze – Einzigartige Multimedia-Installationen für Swarovski Wien

Für den weltweit führenden Kristallhersteller Swarovski hat der belgische Künstler Arne Quinze fünf einzigartige Kunstwerke geschaffen, die in Swarovski Wien gezeigt werden. Quinze arbeitete nicht zum ersten Mal mit Kristall. Nie zuvor jedoch kombinierte er es mit seinen Installationen „Stilthouses“ und „Bidonvilles“, die aus seinen Studien der heutigen Lebensgewohnheiten der Menschen hervorgingen.

„Als ich ‚Stilthouses‘ und ‚Bidonvilles‘ entwarf, gab ich mich völlig meiner Fantasie hin. Ich war überrascht, wie eigenwillig Häuser gebaut sein können. Der Versuch, diese ungewöhnlichen Konstruktionen zu verstehen, brachte mich unweigerlich zum Lächeln“, so der Künstler.

Jede Gesellschaft besitzt ihre eigenen Strukturen und Rhythmen. Arne Quinze erkennt sie und macht sie zur Grundlage seiner Kunst. Seine Gedanken und Studien zu diesen Themen führten zu den modernen Kreationen „Japanese Stilthouses“ und „Bidonville Wall“, die mit abstrahierten Kristallen, Linien und Rhythmen versehen sind. Glänzende, funkelnde Kristalle stellen für Quinze eine enorme Inspirationsquelle dar: Kein anderes Material lädt mit seinem Reichtum und seiner Reinheit so zum Träumen ein. Indem er diese Eigenschaften von Kristall auf „Bidonvilles“ und „Stilthouses“ übertrug, schenkte er ihnen innerhalb seines gesellschaftlichen Kontextes eine eigene Identität. Seine Beobachtungen drückt er durch spezielle Rhythmen, Ausgewogenheit oder ein besonderes Ungleichgewicht aus. Linien, die sich in seinem Kopf formieren, finden den Weg zu seiner Kunst, wo sie eine Struktur schaffen, die sich deutlich von dem unterscheidet, was die meisten Menschen von einer Gesellschaft wahrnehmen.

Quinze ließ sich von den japanischen Pavillons inspirieren, von hölzernen Türmen und unzähligen Ebenen – einer Architektur, die seinen „Stilthouses“ und „Bidonvilles“ stark ähnelt. Charakteristisch für diese Pagoden sind ihre von jeder Terrasse herabhängenden Ornamente, die ihnen ihr typisches Aussehen verleihen. In seinem jüngsten kreativen Experiment überträgt er die japanische Kultur und Architektur auf seine eigenen modernen Konstruktionen. Die herabhängenden Kristalle spiegeln Licht, Kultur und künstlerische Zusammenhänge wider und erzeugen durch ihre Bewegungen eine zeitliche Dimension. Die variierenden Formen, Ausprägungen und Farben, die sich aus den verwendeten Kristallen ergeben, verkörpern Wolkenkratzer und Wohnhäuser, die dem gleichen Kontext entstammen.

Die städtebauliche Entwicklung geht in einer schier unendlichen Geschwindigkeit voran. Gedankenlos werden Häuser in rasantem Tempo hochgezogen – eins neben dem anderen. Diesen Häusern fehlt eine Vision der Nachhaltigkeit und Funktionalität, die sich auch bei der Gestaltung von urbanen Schauplätzen wie Plätzen, Straßen und Parks bemerkbar macht. Jeder bleibt lieber in seinem selbst geschaffenen, privaten Refugium, ganz gleich wie groß die umbaute Fläche sein mag. Der begrenzte Raum innerhalb der eigenen vier Wände, der Eindrücke und Impulse durch die Umwelt und andere Menschen ausschließt, scheint den meisten als Lebenssinn zu genügen. Statt Freiheit erwartet uns das zweifelhafte Glück der Einsamkeit; statt zu interagieren, gleiten wir allmählich in die Isolation ab; statt nach einer Umformung des Systems zu streben, arrangieren wir uns mit einer übermäßig realistischen Gesellschaft.

„Stilthouses“ symbolisiert einen Querschnitt durch Peking, New York oder São Paulo. Abgesehen vom Gehalt und der Kultur pflegen die Bewohner dieser dicht besiedelten Metropolen den gleichen Lebensstil. Die Verbindung zwischen verschiedenen Gesellschaften wird durch Quinzes Glauben an die Gleichheit aller Menschen aufrecht erhalten. Kulturelle und monetäre Unterschiede stellen weder unsere Gleichheit noch grundlegende Identität in Frage. Die Konstruktionen von Quinze vereinen Favela und Wolkenkratzer, Elendsviertel und Fabrikgebäude. Unterschiedliche Kulturen manifestieren sich in seiner Arbeit in unterschiedlichen Linien und Rhythmen, die in einer einheitlichen Struktur zusammenfinden, die unser tägliches Leben um uns herum widerspiegelt. Alle „Stilthouses“ erscheinen auf den ersten Blick formal und konstruktiv gleich. Bei näherer Betrachtung entdeckt man jedoch feine Unterschiede, je nach der Kultur, dem Kontinent oder der Stadt, wo sie errichtet wurden. Quinzes „Stilthouses“ gelten als archetypische Häuser und stellen eine Analyse heutiger Gesellschaftsformen dar.

Die Verwendung hochfluoreszierender Farbe auf wiederverwertetem Material widerspricht der organischen Qualität, die seiner Arbeit zugrunde liegt. Der Einsatz verschiedener Videoinstallationen betont diesen Widerspruch zusätzlich und vereint unterschiedliche Zeitzonen durch bewegte Bilder, Rhythmen und Dimensionen. Vor der aus mehreren Bildschirmen bestehenden „Bidonville Wall“ begegnet der Betrachter den eindringlichen Blicken Barbara Beckers, der Ehefrau des Künstlers. Das Zusammenspiel vieler Materialien erzeugt Strukturen und Dreidimensionalität. Jedes neue Material ergänzt das Kunstwerk um eine neue Linie, eine weitere Schicht, einen zusätzlichen Ausdruck, ein Gefühl…

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